Obwohl Sex in Blockbustern abnimmt, werden die wenigen verbleibenden Szenen immer freizügiger – von erigierten Penissen bis zu expliziten Darstellungen.
Studie: Sexszenen sind heutzutage immer seltener, aber dafür umso mutiger. Eine Studie zeigt, dass der Anteil an Sexszenen in Blockbustern in den letzten 20 Jahren um fast 40 Prozent gesunken ist.
Die noch vorhandenen Sexszenen sind jedoch oft tabuloser geworden, z.B. durch die Darstellung erigierter Penisse oder expliziter Szenen.
Die Abnahme von Sexszenen wird unter anderem auf die Ablehnung bei jüngeren Zuschauern, die MeToo-Bewegung und die Einflüsse des Pornobusiness zurückgeführt.
Der Eindruck, dass Sexszenen in Filmen heutzutage immer seltener vorkommen, ist keineswegs falsch. Dies zeigt eine Studie des Datenanalysten und Filmexperten Stephen Follows, der die 250 umsatzstärksten Hollywood-Filme der letzten zwanzig Jahre auf ihren ‘Sexgehalt’ untersucht hat.
Nach dieser Studie ist der Anteil sexueller Inhalte um fast 40 Prozent zurückgegangen. Auffällig ist, dass viele Filme komplett auf simulierten Geschlechtsverkehr verzichten. Im Jahr 2000 hatten weniger als 20 Prozent der Blockbuster keine Sexszenen – heute sind es fast die Hälfte. Besonders in Thrillern und Actionfilmen sind Sexszenen seltener geworden, während Liebesfilme weniger betroffen sind.
Wie die Analyse von Follows zeigt, sind die wenigen verbleibenden Szenen dafür umso freizügiger geworden. In Blockbustern wie ‘Joy Ride’ und ‘No Hard Feelings’ sind zum Beispiel Frauen in voller frontaler Nacktheit zu sehen. Filme wie ‘Fair Play’ und ‘Saltburn’ gehen noch weiter und stellen Oralsex mit menstruierenden Partnerinnen dar. In ‘May December’ wird sogar ein erigierter Penis gezeigt. Darstellungen wie diese, die früher starken Tabus unterlagen und heute kaum noch für Aufsehen sorgen.
Die Abnahme von Sexszenen im Filmbusiness erklärt Follows wie folgt:
Kultureller WandelDie MeToo-Bewegung und Debatten über Einverständnis und Geschlechterdarstellung haben dazu geführt, dass Filmemacher vorsichtiger mit Sexszenen umgehen. Heute sind die Anforderungen an intime Szenen sehr genau definiert, wie der Schweizer Filmregisseur Jan Gassmann gegenüber 20 Minuten sagt. ‘Eine Intimitätskoordinatorin bespricht im Vorfeld mit den Darstellern und dem Regisseur die genauen Abläufe und Bewegungen, die in den Sexszenen vorkommen sollen.’
Sexszenen sind weniger beliebtVor allem jüngere Zuschauer spulen Sexszenen lieber vor und halten sie für überflüssig. Dies zeigt auch eine kürzlich durchgeführte Studie der Universität Los Angeles. Fast 48 Prozent der Befragten finden, dass Sex in den meisten Filmen und Serien nicht notwendig ist.
PornografieDie enorme Zunahme der Verfügbarkeit sexueller Inhalte auf Pornoportalen seit 2000 macht es weniger erforderlich, dass Filme solche Szenen enthalten, um Aufmerksamkeit zu erregen. Gleichzeitig führt dies zu einer Abnahme des Schamverhaltens der Regisseure, die Szenen freizügiger gestalten.
StreamingdiensteMit dem Aufkommen von Plattformen wie Netflix besteht in großen Kinofilmen weniger Bedarf an sexuellen Inhalten. Serien und Filme auf Streamingdiensten können gezielter auf ihre Zielgruppe eingehen.
Was denkst du über Sexszenen in Filmen? Findest du sie oft unnötig und überspringst sie lieber? Oder glaubst du, dass sie wichtig für die Handlung sind und angemessen gezeigt werden sollten? Gefällt dir die Entwicklung zu freizügigeren, tabulosen Szenen? Oder stören sie dich und du denkst, es sollte weniger davon geben? Solange sie gut ins Geschehen integriert sind, stört es dich nicht? Oder hast du keine Meinung dazu?
Gegenwind gegen die Prüderie HollywoodsEs gibt Filmemacher, Kritiker und Zuschauer, die den Mangel an Sex auf der Leinwand kritisieren und der Meinung sind, dass Hollywood in ein puritanisches Zeitalter eingetreten ist. Die MeToo-Bewegung, ‘zölibatäre’ Superheldenfilme sowie das Bestreben Hollywoods, die eher ‘sexuell zurückhaltenden’ arabischen Märkte anzusprechen, werden dafür verantwortlich gemacht.
Auch Filmregisseur Gassmann betonte gegenüber 20 Minuten, dass Sexszenen ein wichtiges Mittel sind, um Nähe zu den Figuren zu schaffen: ‘Die Szene muss jedoch auch dramaturgisch relevant sein. Auch ich bin dagegen, eine Sexszene im Skript zu haben, nur damit eine da ist.’
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