Viele Menschen machen beim Dating eine eigenartige Erfahrung. Ein Psychologe erklärt, wie man Grenzen setzt – und wann man aufmerksam sein sollte.
Berlin – „Was genau machst Du beruflich – und wie heißt Dein Hund nochmal?“ Bei einem ersten Date tasten sich die meisten Menschen langsam an ihr Gegenüber heran. Sie sind überrascht, wenn die andere Person bereits beim ersten Treffen intime Details preisgibt. Dies geschieht teilweise natürlich im Gespräch. Beim sogenannten „Floodlighting“ (dt. Flutlicht) wird es sehr schnell sehr tief – und wirkt auf einige wie eine Manipulationstechnik.
Das Phänomen des „Floodlightings“ zeigt sich in einer zu schnellen, strategischen Offenheit, um Nähe herzustellen oder Kontrolle zu behalten. Die Tiefe der Informationen steht in keinem Verhältnis zur aktuellen Beziehungsebene und wirkt eher wie ein großer Sprung und weniger wie organisch entstandene Nähe.
Der Psychologe betont, dass „Floodlighting“ aus Unsicherheiten entsteht. Es ist selten manipulativ, sondern eher ein Schutzmechanismus aufgrund von Sehnsucht, Unsicherheit oder früherem Nicht-Gesehen-Werden. Viele nutzen es, um Nähe zu beschleunigen oder Ablehnung vorzubeugen, um Kontrolle zu behalten und Nähe zu steuern.
In solchen Situationen können sich Menschen „überrollt“ fühlen. Wenn die Offenheit nicht zur Beziehungsebene passt, sollte man aufmerksam sein. Überforderung kann auftreten, besonders wenn tiefste Traumata beim ersten Treffen erzählt werden. Signale wie Enge im Brustkorb oder Druck im Magen zeigen, dass die Grenze überschritten ist.
Es ist wichtig, solche Grenzen klar zu kommunizieren, ohne Rechtfertigung. Ein einfaches „Ich brauche einen Moment Abstand“ oder „Dafür bin ich nicht die richtige Ansprechperson“ ist völlig legitim. Nicht ausgesprochene Grenzen führen oft zu emotionalem Rückzug oder Ärger.
Es ist möglich, gegen „Floodlighting“ vorzugehen. Wenn man merkt, dass man zu früh zu viel preisgibt, kann man gegensteuern, z.B. indem man eine Pause einlegt und wieder Fragen an das Gegenüber stellt, um die Balance herzustellen. „Floodlighting“ kann auch bei narzisstischen Persönlichkeiten auftreten, ist jedoch kein exklusiv narzisstisches Verhalten. Personen mit narzisstischen Zügen nutzen übermäßige Offenheit oft strategisch, um Aufmerksamkeit zu erlangen oder sich besonders zu zeigen.“
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