Die meisten Beziehungen beruhen auf einem Hauch von Zufall. Wenn Du nach einem Partner oder einer Partnerin fürs Leben oder nur für eine Nacht suchst, begegnest Du bei Dating-Apps Algorithmen, die den Zufall minimieren sollen. Dennoch gibt es für jeden Topf den passenden Deckel. Indem Du den Zufall provozierst, erhöhst Du die Wahrscheinlichkeit, das perfekte Gegenstück zu finden. Im Digitalen wie auch im Analogen ist der kreative Umgang mit der Wahrheit gängig.
Nicht jeder sportliche Kinderarzt, der gerne ins Theater geht und im Tierheim aushilft, ist auch tatsächlich so. Im saarländischen Saarhölzbach wird seit 191 Jahren der ur-analoge Brauch des Lehnenausrufens gelebt. In der ursprünglichen Version dieser Kuppel-Show spielte der Zufall eine größere Rolle als heute.
Ein Gremium von 19-Jährigen stellt am zweiten Samstag im Januar die rund 100 Paare zusammen, die gemeinsam zum Ball gehen. Das Lehnenkomitee verkündet mit einer großen “Trööt” – einem Blasinstrument im weitesten Sinne – die Namen der Paare über dem Tal. Auf einem gegenüberliegenden Berg steht der ein Jahr jüngere Jahrgang und bestätigt die Zuweisungen mit einem “daat is good”. Tröten statt Swipen. Die Saarhölbacher streben nun an, diesen Brauch in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen zu bekommen.
Mittlerweile wird auch beim Lehnenausruf mit dem Zufall gespielt. “Man kann sein Glück auch selbst in die Hand nehmen und uns vorher bestechen”, sagt ein Mitglied des Komitees. “Traditionell geht das mit einer Kiste Bier.”
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