Manchmal bringt das Leben am Nachmittag Freuden, von denen man am Morgen nicht einmal zu träumen gewagt hätte. Man schlendert zerknittert in die Bäckerei – schlechtes Wetter –, als man vor einem in der Schlange eine junge Frau erblickt, die ihr Croissant mit einer so sanften Stimme bestellt, dass man sofort vergisst, was draußen das Problem war. Sie wird unbemerkt gemustert, obwohl sie eigentlich nicht dem eigenen Beuteschema entspricht: zu blond, zu konventionell schön. Doch diese zarte Stimme hat die sorgfältig zusammengestellten Checklisten zerrissen und die Intuition in Schwingung gebracht. Plötzlich, und das wäre durch einen flüchtigen Blick nicht möglich gewesen, erscheint alles an ihr fantastisch. Die Bewegungen ihrer Taille, ihre Art, wie sie in die Geldbörse greift und lächelt. Schon ist sie weg, aber die Verwunderung bleibt: Was ist hier gerade geschehen?
Das Leben vermutlich. Und davon entfernen sich Dating-Apps immer mehr. Wie im Katalog wünschen sich Singles einen Partner, eine Partnerin zusammenzustellen. Breitschultrig soll er sein, schlank soll sie sein und blaue Augen haben. Auf Hinge kann sogar die bevorzugte ethnische Zugehörigkeit ausgewählt werden. Soll er ostasiatisch aussehen? Westeuropäisch? Deshalb ist es nur folgerichtig, dass nun auch bei Tinder, wie zuvor bereits bei Bumble, zahlende Single-Frauen die Mindestgröße ihrer potenziellen Matches einstellen können. Bist du nur 1,73 m groß? Tut uns leid, hier ist die Tür… Es fehlt nur noch der Körpergewichtsfilter.
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