Wie ausgeprägt ist das sexuelle Verlangen und von welchen Faktoren hängt es ab? Eine kürzlich veröffentlichte umfassende Studie aus Estland liefert Antworten, die für viele überraschend sein könnten: Laut der Studie erreicht die Libido von Männern nicht ihren Höhepunkt in den Zwanzigern, sondern deutlich später. Im Gegensatz dazu erleben Frauen ihre stärkste Lust bereits zu Beginn ihres 20. Lebensjahres.
Forscher der Universität Tartu analysierten die Daten von über 67.000 Erwachsenen im Alter von 20 bis 84 Jahren, um herauszufinden, welche Faktoren das sexuelle Begehren beeinflussen. Zu den untersuchten Kriterien zählen unter anderem Alter, Geschlecht, Beziehungsstatus, Anzahl der Kinder, sexuelle Orientierung, Bildungsgrad, Beruf und Zufriedenheit in der Partnerschaft. Die Teilnehmer gaben online Auskunft über Aussagen wie “Ich verspüre starkes sexuelles Verlangen” oder “Sex ist nicht oft in meinen Gedanken”.
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Männer zeigen über Jahrzehnte hinweg ein konstantes Verlangen
Laut der Studie sind Geschlecht und Alter die wichtigsten Faktoren für sexuelles Verlangen. Männer berichten kontinuierlich von einem höheren Begehren als Frauen, wobei dieser Unterschied mit zunehmendem Alter weiter zunimmt. Bemerkenswert ist, dass der durchschnittliche Höhepunkt der männlichen Libido um die 40 Jahre liegt und nicht wie oft angenommen in den Zwanzigern. Frauen hingegen erreichen ihr Maximum früh, zwischen 20 und 30 Jahren.
Die Studie zeigt auch, dass Männer über einen großen Teil ihres Lebens ein relativ stabiles sexuelles Verlangen aufrechterhalten, während das Verlangen von Frauen deutlich stärker variiert. Obwohl Hormone eine Rolle spielen, wirken auch Lebensumstände wie Schwangerschaft, Wechseljahre, häusliche Pflichten und gesellschaftliche Erwartungen mit.
Auch Kinder, Beruf und sexuelle Ausrichtung haben Einfluss
Die Rolle als Elternteil wirkt sich unterschiedlich aus: Frauen mit Kindern oder nach einer Geburt berichten von einem geringeren Verlangen, während es bei Männern tendenziell steigt.
Berufliche Unterschiede sind ebenfalls erkennbar: Maschinenführer, Führungskräfte, Fahrer und Angehörige der Streitkräfte gaben höhere Lustwerte an, während Büroangestellte und Hilfsarbeiter niedrigere Lust empfanden. Der Bildungsstand hatte nur geringen Einfluss.
Die sexuelle Orientierung spielte eine Rolle: Bisexuelle und pansexuelle Personen berichteten von einem stärkeren Verlangen, während asexuelle Personen am wenigsten Lust verspürten. Der Beziehungsstatus hatte nur einen geringfügigen Einfluss, wobei eine stabile Partnerschaft zu einem leichten Anstieg der Lust führte.
Warum diese Erkenntnisse relevant sind
“Sexuelles Verlangen ist ein wichtiges Thema. Es beeinflusst, wie Menschen Sex erleben, Intimität gestalten und Beziehungen bewerten”, sagt Professor Toivo Aavik von der Universität Tartu. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass neben biologischen Faktoren wie Hormonspiegeln auch soziale und partnerschaftliche Bedingungen von Bedeutung sind.
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Die Studie bietet die bisher umfassendste Übersicht über sexuelle Lust im Erwachsenenalter und könnte dazu beitragen, sexualtherapeutische Angebote zukünftig besser auf verschiedene Altersgruppen, Eltern, Berufstätige und individuelle Lebenssituationen zuzuschneiden.
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