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„Ich war dumm“: Mann (67) fällt auf Liebesfalle herein und wird zum Geldwäscher
Von: Anna Liebelt Über eine Dating-Plattform lernt ein Mann aus Grafing eine angebliche US-Amerikanerin kennen. Doch hinter der aufkeimenden Online-Liebe stecken Betrüger, die den naiven 67-Jährigen in kriminelle Aktivitäten verwickeln.
Grafing – Es ist Liebe. Diese junge, dunkelhaarige US-Amerikanerin mit dem süßen Lächeln ist die Frau seiner Träume. Für sie tut er alles. Das ist, wovon ein Mann aus Grafing überzeugt ist – bis ihn eines Tages die Kriminalpolizei auf den Boden der Realität holt.
Denn: Für seine vermeintliche große Liebe agiert der gelernte Schreiner monatelang als Geldbote für organisierte Cyberkriminalität. Er leitet mehrmals üppige Geldbeträge, die von Anlagenbetrügern erschwindelt wurden, über sein Bankkonto ins Ausland weiter.
Vorwurf der Geldwäsche: Grafinger (67) überweist Geld ins Ausland für Online-Freundin
Wegen des Vorwurfs der Geldwäsche steht der mittlerweile 67-jährige Mann nun vor Gericht. Dort zeichnet sich schnell das Bild eines naiven Mannes ab, der sich in seiner Sehnsucht nach Zuneigung vor der offensichtlich kriminellen Realität versteckt hat.
„Ich war dumm und naiv“, resümiert der Angeklagte die Liebesbeziehung zu seiner „Cecilia“. Kurz nach seiner Scheidung lernte er die angebliche US-Soldatin über eine Dating-Plattform kennen. Im Chat überhäufte sie ihn mit Komplimenten, schmeichelte ihm. „Es war ein schönes Gefühl. Ich war verliebt“, gibt er zu Protokoll.
Bank meldet verdächtige Bewegungen der Kriminalpolizei
Als seine „Cecilia“ ihn schließlich bat, Geldzahlungen auf seinem privaten Bankkonto entgegenzunehmen und weiterzuleiten, zögerte der Grafinger nicht. „Ich habe nicht nachgedacht. Ich wollte helfen“, gesteht er hilflos. So leitete er in den kommenden Monaten dutzende Beträge weiter. Insgesamt rund 40.000 Euro. Ihm war nicht bewusst, dass es sich um illegal erwirtschaftetes Geld handelte. „Ich habe nicht an Straftaten gedacht“, gibt er zu Protokoll.
Erst als seine Bank aufgrund verdächtiger Kontobewegungen und Rückzahlungen von betrogenen Anlegern die Kriminalpolizei einschaltete, fiel der Schleier der Illusion. „Seit mein Konto beschlagnahmt wurde, ist die Liebe vorbei“, seufzt der 67-Jährige, der seine Naivität rückblickend nicht erklären kann. „Ich hätte nie gedacht, dass so etwas mir passiert. Sie hat mich ausgenutzt.“
Vom Schauspieler zum „Prinzen von Dubai“: Zahlreiche Opfer von Anlagenbetrügern
Obwohl der Angeklagte selbst Opfer von sogenanntem „Love Scamming“ wurde, war er auch ein wichtiges Bindeglied bei mehreren Cyberbetrügereien. Zum Beispiel im Fall einer 57-jährigen Münchnerin: Die Frau wurde von einem angeblichen Schauspieler über eine Social-Media-Plattform dazu überredet, in Kryptowährung zu investieren. „Mein Einsatz stieg schnell an.“ Doch um den Gewinn zu erhalten, musste die Frau zunächst „Steuern“ zahlen. Sie überwies also mehrere Tausend Euro auf verschiedene Konten – darunter das des Angeklagten. Das Geld sah sie nie wieder.
Ähnlich erging es einem Rentner in der Nähe von Ingolstadt: Über eine Dating-Plattform lernte er einen „Prinzen aus Dubai“ kennen, der unbedingt nach Deutschland kommen wollte. Für eine „Besucherkarte“ überwies der Mann 8000 Euro. Auch hier floss ein Teil des Geldes über das Konto des Angeklagten.
Für Richterin Anne Leiding ein „klarer Fall des Finanzagenten“. Ihrer Meinung nach hätte der Grafinger bei den hohen Beträgen skeptisch werden müssen. „Ihnen war es aber egal, woher das Geld kam. Sie haben sich täuschen lassen“, mahnt sie und verurteilt den Mann zu einer Geldstrafe von 6000 Euro.
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