Hamburg. Die Beweggründe für einen Seitensprung haben letztlich weniger Tiefgang, als man annehmen würde. Was steckt hinter dieser Theorie?
Es scheint komplex zu sein, ist es aber keineswegs. Denn die Beweggründe, warum eine gebundene Person Sex mit jemand anderem als dem eigenen Partner hat, sind weniger vielfältig, als viele denken würden. Wolfgang Krüger, ein erfahrener Diplom-Psychologe und Paartherapeut, hat genau drei Ursachen für Untreue identifiziert. Warum können Affären oder der Wunsch danach auf diese Aspekte reduziert werden?
Erst später ein Tabu: Warum Fremdgehen unterschiedlich wahrgenommen wird
Laut Krüger ist es in Deutschland üblich, dass Menschen ab etwa Mitte 30 eine feste Beziehung eingehen und oft den Wunsch äußern, zu heiraten. „Wenn man jünger ist und in ersten Beziehungen nicht ganz so treu ist, dann hat das meist etwas mit Neugier zu tun“, erklärt der Beziehungsexperte. Während das Fremdgehen in jungen Jahren von der Gesellschaft größtenteils toleriert wird, ist es in festen Beziehungen ein Tabu.
Der Psychotherapeut empfiehlt, sich mit den Ursachen von Untreue auseinanderzusetzen, um Beziehungsdynamiken besser zu verstehen. Er unterscheidet drei Arten des Fremdgehens:
Erster Grund für die Untreue: „Das Phänomen der schlechten Ehe“
In diesem Fall spielt Frustration und Unzufriedenheit mit der eigenen Beziehung eine entscheidende Rolle. „Und das betrifft zwei Drittel aller Seitensprünge“, so Krüger. Tiefe emotionale Wunden, häufige Enttäuschungen und mangelnder Respekt in Beziehungen können häufig dazu führen, dass Menschen den Schritt wagen, eine Affäre einzugehen.
Möglicherweise sehen sie nicht mehr ein, an der eigenen Partnerschaft zu arbeiten und ihrem Partner treu zu bleiben. Doch Krüger betont, dass Treue in den meisten festen Beziehungen oberste Priorität hat.
Zweiter Grund für einen Seitensprung: Bin ich noch sexuell attraktiv?
Hier geht es vor allem um die Selbstbestätigung. Menschen wollen oft testen, ob sie auf andere immer noch anziehend wirken und damit ihr Ego streicheln. Insbesondere bei Männern ist dies einer der häufigsten Gründe für Untreue: „Die Männer versuchen Frauen rumzukriegen, um sich Bestätigung zu holen“, sagt Krüger.
Dritter Grund für ein Fremdgehen: Die Angst vor dem Verlust der eigenen Freiheit
Bei bindungsängstlichen Menschen, die sich für eine Affäre entscheiden, ist häufig die Angst um die eigene Freiheit der entscheidende Auslöser. „Manche Menschen haben geradezu phobische Ängste, wenn sie merken, ihre Beziehung ist etwas Dauerhaftes“, so Krüger.
Zur Person Dr. Wolfgang Krüger (75) ist Diplom-Psychologe und Psychotherapeut mit eigener Praxis in Berlin. Beziehungsprobleme sind ein Schwerpunkt seiner Arbeit. Krüger hat diverse psychologische Sachbücher veröffentlicht – unter anderem zu den Themen Liebe, Partnerschaft und Sexualität.
US-Forscher: Diese acht Faktoren begünstigen die Untreue
In einer Studie aus dem Jahr 2020 haben Psychologen der amerikanischen University of Maryland rund 500 Männer und Frauen nach ihren Gründen für Untreue befragt. Die Wissenschaftler haben acht Motive für Untreue identifiziert, die eine Ergänzung zu den drei häufigsten Gründen von Krüger darstellen.
Psychologe warnt: Nur so kann man seine Partnerschaft nach einer Affäre noch retten
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