Wer einen Kaiserpinguin imitiert, wirkt sogar im Biologieunterricht seltsam. Noch seltsamer wird es jedoch, wenn der Hausmeister Gabor Nordermann (Oskar Ketelhut) und die Zoofachhändlerin Sabine Walter (Birthe Gerken), zwei Menschen in den besten Jahren, den Paarungsruf des flugunfähigen Vogels beim Speed-Dating nachahmen. Sabine wollte mit der Pinguinimitation nur das Date mit dem Mathematiker Klaus Siemer (Till Huster) abschrecken, doch ihr Schrei war so laut, dass selbst Gabor im Nebenraum ihn nicht überhören konnte.
Kennenlernen: Einfacher gesagt als getan
Das Speed-Dating der Kandidaten, die alle bereits eine oder mehrere Beziehungen, Ehen oder Partnerschaften hinter sich haben, führt in dem Stück ‘Kribbeln in’n Buuk’ (‘Der Himmel voller Geigen’) von Marc Becker (der auch Regie führte) mit einem Sextett der Ohnsorg-Allstars zu rührend-komischen Kennenlernsituationen. Auch die pensionierte Zahnärztin Rosi Zapp (Beate Kiupel), die ehemalige Reisekauffrau Wilma Löwe (Meike Meiners) und der ehemalige Polizist Udo Lotter (Robert Eder) sind auf der Suche nach Gesellschaft. Die Veranstalter des Abends sind ein junges Paar, das vielleicht keines wird, wenn beide zu schüchtern bleiben. Frauke (Laura Uhlig) und Manfred, genannt ‘Manni’ (Johannes Kalle Schäfer), scheinen sich anzuhimmeln, aber vorerst passiert nichts.
Der Reiz des Abends ergibt sich neben der Komik aus zwei Entwicklungen: Zum einen lernen alle sechs Kandidaten schnell, mit dem Druck des Speed-Datings umzugehen, und werden von Mal zu Mal lockerer. Zum anderen steigert sich die Selbstdarstellung der leicht schrägen, aber liebenswerten Charaktere leicht ins Peinliche, was wiederum den Komikfaktor erhöht. Der Polizist war anscheinend Verkehrspolizist und hatte im Berufsleben viel mit Falschparkern zu tun, behauptet aber gerne, er sei Profiler gewesen. Der Hausmeister Gabor hat sich Notizen für das Gespräch mit Sabine gemacht, weiß aber nicht mehr, in welcher Socke. Klaus versucht zwischen den Dating-Sitzungen immer wieder Frauke anzusprechen und stößt mit seinen berechneten Fragen als Mathematiker nicht immer auf spontane Zuneigung. Und wenn den Menschen der Gesprächsstoff ausgeht: Es liegen Karten mit möglichen Fragen und Themen auf dem Tisch, um anzuregen.
Die Gottesanbeterin hofft auf ein Wiedersehen
Wilma Löwe macht ihrem Namen alle Ehre und stürzt sich in die Begegnungen mit den Herren. Nur bei Udo, am Anfang, geht alles schief. Keiner von beiden kann ein Wort herausbringen. Sabine war dreimal verheiratet und bringt neben dem Pinguinimitieren weitere Paarungsrituale aus der Zoologie ein, wobei sowohl die Gottesanbeterin (‘beißt dem Männchen den Kopf ab’) als auch die Schwarze Witwe (‘frisst das Männchen auf’) als Beispiele für erfolgreiche Beziehungen gelten. Rosi ist einfühlsam und tapfer. Sie überwindet sich immer wieder, anstatt aufzugeben. Die Männer wirken, wie im wahren Leben, sozial durchweg inkompetenter als die Frauen, gleichen dies aber durch Verdrängung wieder aus. Das führt dazu, dass auf den Abschlusszetteln, auf denen die Kandidaten ankreuzen können, wen sie wiedersehen möchten, viele Kreuze stehen, wie Manni anerkennend feststellt. Offensichtlich war das Speed-Dating ein voller Erfolg. Dies mag auch daran gelegen haben, dass alle Plattdeutsch sprechen konnten, was bereits eine solide Gemeinsamkeit darstellt, auf der aufgebaut werden kann – auch wenn dies im Stück selbst seltsamerweise nicht thematisiert wurde.
‘Kribbeln in’n Buuk. Der Himmel voller Geigen’, Termine bis 15. Februar
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