Endloses Wischen, oberflächliche Gespräche und plötzliches Ghosting: Was zunächst mit der Hoffnung auf die große Liebe beginnt, endet für viele mit emotionaler Erschöpfung. Dating-Burnout ist mittlerweile weit verbreitet. Aber warum tritt er auf und was kann dagegen getan werden?
Der Begriff Dating-Burnout klingt zunächst extrem, doch die Symptome ähneln tatsächlich einem beruflichen Burnout. Diplom-Psychologin Wera Aretz erklärt: “Wenn ich müde bin, gehe ich schlafen, ruhe mich aus und danach bin ich wieder fit. Das funktioniert jedoch beim Online-Dating irgendwie nicht.” Die Auswirkungen eines Dating-Burnouts sind nicht mit einem Mittagsschläfchen zu bewältigen, sie reichen tiefer.
In ihrer Studie “Hate to date?” forscht Wera Aretz zum Thema Dating-Burnout. Das Ergebnis: 14 Prozent der Menschen in Deutschland, die Online-Dating betreiben, leiden unter Dating-Burnout.
Was führt zu diesem Burnout? Aretz nennt verschiedene Faktoren: Ghosting, ausbleibender Erfolg und Monotonie. Mangelnder Erfolg frustriert nicht nur, sondern beeinträchtigt auch das Selbstwertgefühl. Aretz beschreibt das so: “Ich nutze drei Dating-Apps und bin schon irgendwie seit zehn Jahren aktiv. Was ist los mit mir?” Diese Selbstzweifel untergraben nach und nach das Selbstbewusstsein.
Dazu kommt die Monotonie: immer wieder dieselben Fragen beantworten, immer wieder neue Kontakte knüpfen, nur um dann wieder den Kontakt abbrechen zu sehen. Es entsteht das Gefühl, alles schon einmal erlebt zu haben, als ob man in einer endlosen Dating-Schleife feststeckt.
In den letzten Jahren hat sich im Online-Dating auch Ghosting immer weiter verbreitet. Kontakte werden aufgebaut, man fühlt sich sicher – und plötzlich keine Antwort mehr, Blockierung oder gelöschter Account. Das Schlimmste daran: Man weiß nicht warum. Aus dieser Unsicherheit entsteht die Angst, dass es immer wieder passieren könnte.
Wera Aretz sieht darin ein großes gesellschaftliches Problem: “Es mangelt an Zuverlässigkeit. Ich schalte Menschen an und aus, wie einen Lichtschalter. Wenn es mir passt, ist es gut. Wenn nicht, dann nicht. Ich denke, das ist wirklich ein gesellschaftliches Problem, auf das nicht oft genug hingewiesen werden kann.”
Frauen und Männer sind gleichermaßen vom Dating-Burnout betroffen. Der Unterschied liegt eher in den Ursachen. Frauen leiden eher unter ständiger Sexualisierung und Enttäuschungen, da das Gegenüber eher lockere Verbindungen sucht. Männer hingegen erleben Frustrationen eher, weil sie keine Antworten auf ihre Kontaktanfragen erhalten.
Gesünder Daten: Wie kann ein Burnout vermieden werden? Wera Aretz betont: Es ist wichtig zu erkennen, dass Situationen wie Ghosting nichts über den eigenen Wert aussagen: “Wenn man geghostet wird, liegt es an dem, der es tut, nicht an der Person, die betroffen ist.”
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Außerdem rät sie dazu, klare Grenzen zu setzen: “Weniger ist mehr!” Statt drei oder vier Apps gleichzeitig zu nutzen und ständig nach neuen Likes und Nachrichten zu suchen, empfiehlt sie, vorerst nur einen Account anzulegen und diesen bewusst zu nutzen.
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